Wie sieht die Mobilität der Zukunft aus?

Mit den fliegenden Autos wird das so schnell nichts. Was aber wird kommen? Ein Ausblick.

Das heutige Verkehrssystem sieht sich mit zahlreichen Herausforderungen konfrontiert. Immer mehr Menschen sind auf Schiene und Strasse unterwegs, und gleichzeitig soll der Verkehr dekarbonisiert werden. Immerhin: An Lösungen wird eifrig geforscht – von neuen Antriebsarten über Sharing-Konzepte bis hin zu automatisierten Fahrzeugen.

Wer über die Mobilität der Zukunft sinniert, denkt wohl unwillkürlich an fliegende Autos. Kein Wunder, schweben sie doch in unzähligen Klassikern wie «Zurück in die Zukunft», «Blade Runner» oder «Das fünfte Element» elegant durch die filmischen Lüfte. Bisher jedoch fahren unsere Autos nach wie vor am Boden – und das wird vorerst auch so bleiben. Zwar hat der Gedanke, einen Stau bequem um- oder überfliegen zu können, natürlich durchaus seinen Reiz. Die verkehrstechnischen Herausforderungen der Gegenwart dürften in Zukunft aber mit anderen Ansätzen als fliegenden Autos gelöst werden.

Mehr Freizeitverkehr

An solchen Herausforderungen mangelt es nicht, denn im Verkehrsbereich sind wir heute mit zahlreichen Problemen konfrontiert – gerade auch in der kleinräumigen Schweiz. Herr und Frau Schweizer sind immer mobiler: War man hierzulande 1994 durchschnittlich noch 31,3 Kilometer pro Tag unterwegs, waren es 2015 bereits 36,8 Kilometer. Da überrascht es nicht, dass 2018 auf den Schweizer Autobahnen mehr als doppelt so viele Staustunden registriert wurden wie 2009. Auch die Problematik der überfüllten öffentlichen Verkehrsmittel zu Stosszeiten ist hinlänglich bekannt. Allerdings hat nicht nur der Pendlerverkehr zugenommen: 40 Prozent der zusätzlichen Mobilität sind auf den Freizeitverkehr zurückzuführen. Statt an die Dorfchilbi fährt man heute ans Coldplay-Konzert im Letzigrund oder ans Oktoberfest in München.

Stau

Die Überlastung der Verkehrsinfrastruktur ist nicht nur auf den Berufsverkehr zurückzuführen, sondern auch auf die zunehmende Freizeitmobilität. (Foto: Pixabay / Gerhard G.) 

Starkes Bevölkerungswachstum

Der Druck auf die Verkehrsinfrastruktur nimmt auch wegen der Bevölkerungsentwicklung weiter zu. Als in den 1960er-Jahren mit dem Bau der Autobahnen begonnen wurde, lebten in der Schweiz etwas mehr als 5 Millionen Menschen. Heute sind es bereits mehr als 8,5 Millionen, und bis 2050 dürften wir gemäss Bundesamt für Statistik mehr als 10 Millionen Mitbürgerinnen und Mitbürger haben. Als weitere Herausforderung steht die Dekarbonisierung der Mobilität an, denn bis 2050 will die Schweiz netto null Treibhausgasemissionen erreichen. Für die heute dominanten Benzin- und Dieselantriebe muss also ein Ersatz gefunden werden – nicht nur im motorisierten Individualverkehr (MIV), sondern auch im Transportbereich..

Elektrofahrzeuge boomen

Zumindest bei der Dekarbonisierung des MIV zeichnet sich heute bereits ab, dass Elektromotoren in Zukunft zum neuen Standard werden. Die Zulassungszahlen von E-Autos nahmen in den letzten Jahren stark zu, sogar im Corona-Jahr 2020, das für die Autobranche insgesamt äusserst schwierig war. Zwar hat auch die Elektromobilität noch gewisse Hürden wie den Ausbau der Ladeinfrastruktur zu meistern, doch die Tendenz spricht klar für E-Autos – zumal nun auch die lange zögerlich agierenden traditionellen Autohersteller immer mehr Steckerfahrzeuge auf den Markt bringen. Dass der langjährige Quasi-Monopolist Tesla mehr Konkurrenz erhält, dürfte auch der Preisentwicklung zugutekommen und so die Elektroautos noch attraktiver machen.

Wasserstoff für LKW

Etwas anders präsentiert sich die Ausgangslage im Transportsektor. Für den Betrieb von Lastwagen, Schiffen und Flugzeugen eignen sich Elektromotoren respektive Batterien weniger gut als für kleinere und leichtere Fahrzeuge. Es wird abzuwarten sein, ob insbesondere die Batterieentwicklung den Einsatz in diesem Sektor ermöglicht oder ob sich alternative Ansätze durchsetzen. Eine Kandidatin dafür ist die Wasserstoffmobilität, die hierzulande derzeit grosse Fortschritte macht. Zum einen wird in das Tankstellennetz investiert, das bis Ende 2021 die Ost-West-Achse von St. Gallen bis Genf abdecken soll. Zum anderen bietet der südkoreanischen Hersteller Hyundai seit einigen Monaten den Wasserstoff-LKW Xcient an. Die Trucks werden nicht gekauft, sondern in einem Pay-per-Use-Modell angeboten – die Nutzer bezahlen also eine Miete für den Gebrauch des Xcient. Mehr als ein Dutzend Lastwagen sind bereits im Einsatz, bis 2025 sollen 1600 auf den Schweizer Strassen Güter transportieren. Alternativen zum Wasserstoff sind Biogas und E-Fuels, also aus erneuerbaren Quellen künstlich hergestellte Treibstoffe. Die Probleme dieser Ansätze liegen insbesondere noch bei den hohen Herstellungskosten und der fehlenden Tankinfrastruktur.

Sharing und Homeoffice sind in

Die Idee, Fahrzeuge zu mieten statt zu besitzen, dürfte in Zukunft weiteren Auftrieb erhalten. Das gilt einerseits für Autos, wo beispielsweise Mobility seit vielen Jahren ein erfolgreiches Modell anbietet und heute mehr als 200 000 Kunden zählt. Andererseits boomt derzeit vor allem in den Städten auch die sogenannte «Mikromobilität». Gemeint sind damit etwa E-Bikes, E-Trottinetts, E-Roller etc., die man mieten und für kurze innerstädtische Strecken nutzen kann. Der Erfolg dieser Angebote dürfte sich damit erklären lassen, dass die jüngere Generation ein anderes Verhältnis zum «Besitzen» hat als ihre Vorgänger: Ein eigenes Auto gilt nicht mehr als Statussymbol, stattdessen sind appbasierte Sharing-Angebote in.

Mobility

Sharing-Konzepte wie Mobility dürften sich in Zukunft weiter durchsetzen – auch weil der Besitz eines Autos als Statussymbol an Bedeutung verliert. (Foto: Mobility Genossenschaft)

Auch moderne Arbeitsmodelle wie Homeoffice oder Co-Working-Spaces könnten dazu beitragen, die Verkehrsinfrastruktur zu entlasten. Diese kommt heute vor allem zu den Stosszeiten an ihre Kapazitätsgrenzen (oder darüber hinaus). Ansonsten wird sie oft aber nur wenig genutzt. Flexible Arbeitszeiten und -formen könnten die Auslastung in Spitzenzeiten reduzieren und das Verkehrsaufkommen besser verteilen.

Verschiedene Verkehrsmittel nutzen

Ein weiterer Trend ist die Kombination verschiedener Verkehrsmittel, was als multimodale Mobilität bezeichnet wird. Statt einer Teilstrecke lässt sich dann die gesamte Reise von A über B nach C integral über eine App planen, indem beispielsweise zuerst der Zug und anschliessend ein Mietauto genutzt werden. In diese Richtung geht das Angebot SBB Green Class , das ein ÖV-Abo mit der Nutzung eines Elektroautos kombiniert. Der Bund fördert die multimodale Mobilität mit dem Aufbau der «Nationalen Dateninfrastruktur Mobilität» (NaDIM), einer Plattform, auf der Mobilitätsdaten ausgetauscht werden können. Verbessern will man zudem die Möglichkeit zum Umsteigen an sogenannten Verkehrsdrehscheiben. Die Koordinationsstelle für nachhaltige Mobilität (KOMO) hat dazu ein Förderprogramm lanciert, die Anmeldefrist läuft noch bis Ende April 2021.

Automatisiert und vernetzt

Einen starken Einfluss auf die künftige Mobilität wird auch die Automatisierung der Fahrzeuge haben. Bereits heute kommen Assistenzsysteme zum Einsatz, die uns beim Einparken oder Spurhalten helfen. In Zukunft könnten Fahrzeuge komplett autonom unterwegs sein, auch in der Schweiz wurden schon Tests durchgeführt. Autonome Autos bieten die Chance, die Fahrzeit produktiv zu verbringen und den motorisierten Individualverkehr für neue Nutzergruppen wie Kinder und ältere Menschen zu erschliessen. Sie dürften aber auch die Kapazität unseres Verkehrssystems erhöhen: Je autonomer und vernetzter die Fahrzeuge sind, desto mehr können auf einem bestimmten Strassenabschnitt unterwegs sein. Möglich wird dies, wenn die Fahrzeuge über 5G in Echtzeit miteinander kommunizieren, denn dies erlaubt geringere Abstände und somit eine höhere Kapazität. Eine Studie der Beratungsfirma EBP rechnet damit, dass auf Autobahnen bis zu 30 Prozent mehr Autos verkehren können, in der Stadt immerhin bis zu 20 Prozent. Allerdings müssen dafür sämtliche Verkehrsmittel autonom und vernetzt unterwegs sein. Bis es so weit ist, dürften wohl noch einige Jahre vergehen – Jahre, in denen uns weitere Filme von fliegenden Autos träumen lassen.

 

Über den Autor

Repower

Repower

Vom EVU fürs EVU

Repower ist ein Vertriebs- und Dienstleistungsunternehmen im Energiebereich mit über 100-jähriger Erfahrung. Die Schlüsselmärkte sind die Schweiz (inkl. Originationsgeschäft in Deutschland) und Italien. Der Hauptsitz befindet sich in Poschiavo (Graubünden). Die Gruppe ist von der Produktion über den Handel bis zur Verteilung und zum Vertrieb auf der ganzen Strom-Wertschöpfungskette sowie zusätzlich im Gasgeschäft tätig. Basierend auf ihrem fundierten Energiefachwissen bietet Repower ihre Produkte und Dienstleistungen auch Partnern an - insbesondere EVU, aber auch Industriekunden und öffentlichen Institutionen - und führt Arbeiten für Dritte aus.

Kommentare