PPA: Erneuerbare Energien

auf dem Weg in den Markt

Kaum ein Schlagwort hat im Strommarkt Europas in den vergangenen zwei Jahren einen solchen Aufstieg erfahren wie PPA. Das Power Purchase Agreement - oder zu Deutsch der Stromliefervertrag oder Stromabnahmevertrag - hat sich zum Trendthema schlechthin entwickelt, wenn es um alternative Formen der Stromvermarktung geht - insbesondere für erneuerbare Energien. 

Was darunter zu verstehen ist, ist im Grundsatz schnell erklärt: Das PPA ist eine bilaterale Kaufvereinbarung für Strom über einen längerfristigen Zeitraum, meist von einer bezeichneten Quelle. Dabei einigen sich die Parteien nicht nur über die Laufzeit, sondern in der Regel auch über eine bestimmte Strommenge und einen Abnahmepreis. Die Vertragsparteien sind dabei in der Regel ein Stromabnehmer, etwa ein Industrieunternehmen, und ein Stromproduzent, etwa ein Windparkbetreiber auf der anderen Seite. 

In den USA beispielsweise sind solche Verträge seit Längerem im Einsatz - im europäischen Markt fristeten solche Abnahmeverträge lange ein Schattendasein, da viele Marktteilnehmer auf andere Absicherungsinstrumente in der Beschaffung setzten. Zuletzt haben sich die Abschlüsse aber merklich gemehrt - gerade im Zusammenhang mit Wind- und Solarparks. Vor dem Hintergrund kann man durchaus darüber streiten, ob es sich tatsächlich um einen neuen Trend handelt oder eher um eine Renaissance. 

Mehrere wesentliche Treiber für den Hype
Was steckt hinter dem Trend? Es gibt mehrere wesentliche Treiber: Auf der einen Seite fahren einige Länder ihre staatlichen Förderungen für erneuerbare Energien zurück. In bestimmten Märkten, wie etwa Deutschland, kommt hinzu, dass viele ältere Wind- und Solaranlagen das Ende ihrer Förderdauer erreicht haben. Beides führt dazu, dass Betreiber solcher Anlagen - ob jung oder alt - andere Vermarktungswege für ihre Stromerzeugung beschreiten. Dabei kommt ihnen zugute, dass Wind- und Solarenergie sich der preislichen Marktfähigkeit immer weiter angenähert haben. Sie sind heute schlicht nicht mehr teurer als konventionell erzeugter Strom. 

Ein weiterer Treiber für PPAs kommt seitens der Abnehmer, insbesondere der grossen industriellen Betriebe. Um eigene Commitments zum Klimaschutz zu untermauern oder ihre Produkte unter dem Banner der Nachhaltigkeit vermarkten zu können, fragen viele Unternehmen gezielt grünen Strom nach. Beispielsweise haben sich in der internationalen Initiative RE100 mehr als 200 grosse Unternehmen weltweit dazu verpflichtet, ihren Stromverbrauch auf 100 Prozent regenerative Quellen umzustellen.

Zusätzlich bringt derzeit ein weiterer Investorenkreis finanzielle Mittel in diesen Teil des Infrastrukturmarktes. Investoren ausserhalb der Energiebranche finanzieren Erzeugungsanlagen und brauchen, anders als Energieerzeugungsgesellschaften, eine andere Art der Preissicherung. Die Investoren fragen ein höheres Mass an Investitionssicherheit nach als die Branche, daher bedarf es einer Preissicherung eines Teils der Erzeugung - zumindest für einen grossen Teil der technischen Abschreibezeit. Diese Preissicherung erfolgt über PPA. 

Für beide Seiten, Erzeuger und Abnehmer, bringt ein PPA dabei entscheidende Vorteile mit: Der Anlagenbetreiber kann über ein PPA seine Preisrisiken gegenüber einer Vermarktung am Spotmarkt erheblich minimieren. Ein langfristiger Abnahmevertrag kann ihm zudem bei der Finanzierung neuer Projekte helfen, da er den Finanzierern gesicherte Einnahmen garantiert. Der Stromabnehmer profitiert ebenfalls von einer langfristigen Preissicherheit und kann sich vor allem gegen steigende Strompreise in der Zukunft absichern. Zudem kann er - wie bereits beschrieben - den ausgewiesenen Grünstrombezug im Marketing nutzen. 

Wer trägt die Risiken?
Dabei müssen sich beide Seiten in der Vertragsgestaltung über wichtige Details einig werden. Neben den zentralen Fragen zu Preis, Abnahmemenge und Laufzeit stellen sich etwa Fragen dazu, wie die Risiken verteilt werden - denn ganz ohne Risiken kommt auch ein PPA nicht aus. Gerade bei längeren Laufzeiten ergeben sich teils erhebliche Preisrisiken, da bekanntlich die Entwicklung der Strompreise im Grosshandel nicht vorhersagbar ist. Grundsätzlich lässt sich sagen: Je länger die Laufzeit, umso höhere Risikoaschläge preist ein Vermarkter gegenüber dem Betreiber ein. Ein weiteres Risiko betrifft das Erzeugungsvolumen, denn die Stromproduktion bei Erneuerbaren ist bekanntlich volatil. Oder noch schlimmer: Ein Windrad fällt wegen eines Schadens aus, doch der Strom ist am Terminmarkt längst verkauft. Für solche Szenarien enthalten PPA-Verträge nicht selten auch Absprachen zum Umfang von Wartungsarbeiten. 

Doch nicht alle reden von demselben, wenn sie von PPAs reden, denn zahlreiche Unterschiede liegen im Detail. So spricht man etwa von einem Corporate PPA, wenn der Strom direkt aus einer bestimmten Erzeugungsanlage an einen privaten Abnehmer verkauft wird. Dabei kann die Erzeugungsanlage in räumlicher Nähe zum Verbraucher stehen - muss es aber nicht. Davon unterscheidet man sogenannte synthetische PPAs. Dort beschafft ein Energielieferant für den PPA-Abnehmer die benötigten Strommengen und strukturiert sie entsprechend des Verbrauchsprofils des Kunden. 

Noch stehen PPAs in der Praxis auf dem Prüfstand. Dass sie im Strommarkt der Zukunft eine zentrale Rolle einnehmen werden, gilt indessen als unbestritten, doch der Weg dorthin ist noch nicht vorgezeichnet.

Über den Autor

Bernhard Signer

Bernhard Signer

Leiter Vertrieb

Bernhard Signer arbeitet seit 2010 bei Repower und ist seit 2014 als Leiter Vertrieb für die Schweiz und Deutschland zuständig. Seit 1999 beschäftigt er sich mit der Liberalisierung von Energiemärkten in internationaler Form und hat dadurch einige Erfahrungen in europäischen Märkten gesammelt. Seit 2016 vertritt er die Lieferanten und Händler von HKN im Vorstand des VUE.

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