Energiewende braucht

funktionierenden

Strommarkt

Ohne die zahlreichen Handelsplattformen könnten Produzenten von Elektrizität ihre Produkte kaum vermarkten. Das gilt auch für Strom aus erneuerbaren Quellen. Ein zuverlässiger Stromhandel ist für die Energiewende von entscheidender Bedeutung.  

Wie bei anderen Gütern stellt der Handel mit Elektrizität den Ausgleich zwischen Angebot und Nachfrage sicher. Doch beim Stromhandel kommen zwei Bedingungen dazu. Strom lässt sich nicht speichern - oder nur mit einem immensen Aufwand. Und Strom hat in Wirtschaft und Gesellschaft eine zentrale Bedeutung. Nicht nur viele Fabriken und Büros stehen still, auch Sicherheit und Gesundheit der Bevölkerung basiert auf einer störungsfreien Stromlieferung.

Handel vor allem im Web
Ein Grossteil des Stromhandels läuft heute über das Web, was nicht ausschliesst, dass einzelne Händler zum Telefon greifen, um einen Kontrakt festzumachen. Mindestens ein Dutzend grössere Börsen und Handelsplattformen sind in Europa aktiv. Zwar bildet Kontinentaleuropa den Marktraum, doch die Strompreise sind stark von der Weltpolitik beeinflusst. Eine kritische Stimme - beispielsweise aus Amerika oder Asien - genügt, um die Preisspirale anzutreiben. Preisrelevant ist auch ein tatsächlicher oder nur vermeintlicher Mangel bei den Primärenergieträgern Kohle, Erdöl und Erdgas. Überangebote können den Strompreis ebenso zum Schwanken bringen. Dass die Fachleute von Repower sich in der Social-Media-Welt informieren, überrascht angesichts der Volatilität des netzgebundenen Energieträgers kaum. Früher hiess es, ein Händler höre das Gras wachsen, heute ist ein ausgeprägtes Sensorium für die wirtschaftliche Grosswetterlage für den Handelserfolg nach wie vor entscheidend.

 

Kauf mit Termin
In der Schweiz sind nur einige wenige grosse Stromhändler tätig ̶ darunter Repower. Die Gesellschaft nutzt ihre jahrzehntelange Erfahrung und das leistungsfähige Equipment, um Elektrizität für eigene Kunden und für andere Werke einzukaufen. Strom aus eigener Produktion geht über dieselben Plattformen in den Verkauf. Fristen bilden das entscheidende Kriterium im Handel. Im langfristigen Terminmarkt wechseln heute Strompakete für die Jahre 2020 bis 2022 die Hand. Die Händler sichern damit die Energieversorgung ihrer Kunden und Geschäftspartner über Jahre hinweg. Mit diesem weiten Zeithorizont lassen sich kurzfristige Schwankungen im Bedarf und in der Produktion nicht abbilden. Der Handel dieser Chargen läuft deshalb im Spotmarkt oder sogar im Intradaymarkt. Fällt ein Kraftwerksblock aus, ist eine schnelle Reaktion notwendig, um Versorgungsausfälle zu verhindern. Bei vielen Kontrakten liegt zwischen dem Abschluss und der Lieferung kaum mehr als eine halbe Stunde. Auch deshalb ist der Handel ausserhalb der Bürozeit zwar reduziert, er funktioniert aber eher im «Standby» als im «Sleep-Mode».

Bedarfsprofil entscheidend
Als nützliche Prognoseinstrumente erweisen sich Profile der Stromnachfrage. Je genauer diese den Bedarf nachzeichnen, desto gezielter kann der Händler agieren. Oft stellt sich die Frage, wie verlässlich ein verfügbares Profil ist. Diese Bewertung ist weitgehend durch das Know-how und die Erfahrung der Fachleute bestimmt. Repower hat diese Kompetenz.

Mit dem Angebot und der Nachfrage schwankt der Strompreis; für die Händler gehört das zum Alltag. Doch seit zwei oder drei Jahren wächst das Angebot an Solar- und Windstrom rasant und damit die Herausforderungen im Stromhandel. Die Flaute über den norddeutschen Windparks kann in den Repower-Handelsräumen in Poschiavo oder in Mailand ein hektisches Treiben auslösen. Das Auf und Ab im Angebot macht aber auch deutlich, dass die Energiewende ohne zuverlässigen Stromhandel gar nicht zu schultern ist. Denn Produzenten und Konsumenten sind auf einen funktionierenden «Marktplatz» angewiesen. Ohne dieses Scharnier ist die vom Bundesrat in der Energiestrategie 2050 proklamierte Nutzung erneuerbarer Energien kaum sicher zu stellen. Und auf Halde können Stromerzeuger nicht produzieren.

Über den Autor

Christian Kuhnert

Christian Kuhnert

Stromhändler

Christian Kuhnert arbeitet seit 2010 bei Repower. Er hat zwei Jahre lang in der Marktanalyse Erfahrungen gesammelt und ist aktuell für das Kundengeschäft Schweiz und Deutschland verantwortlich.

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