Effizientere Beleuchtung

dank Sensoren

Im Jahr 2018 betrug der Schweizer Stromverbrauch 57,6 TWh. Davon entfielen rund 7 TWh oder 12 Prozent auf Lichtinstallationen. Den Stromverbrauch für Beleuchtung weiter zu senken ist interessant, weil sich entsprechende Massnahmen mit vertretbarem finanziellem Aufwand realisieren lassen. Fachleute sehen zusätzliches Potenzial beim Einsatz von Sensoren.

Die Schweiz zählt rund 3,7 Mio. Wohnungen. Durchschnittlich befinden sich 24 Leuchtmittel in einem Haushalt. Hier werden rund 3,4 Prozent des Stroms verbraucht. Der Löwenanteil des Licht-Stromverbrauchs verteilt sich jedoch auf andere Bereiche. Vorab sind es Büroflächen und -gebäude mit 3,1 Prozent, Industriebauten mit 1,6 Prozent sowie Pflege (Spitäler) mit 1 Prozent. Verkauf (Warenhäuser), Strassen- und Tunnelbeleuchtungen, Schulen und Sport, Gastronomie und Gewerbe teilen sich rund 2,9 Prozent. Hohe Sparpotenziale liegen beispielsweise im Verkauf mit seinen hohen Beleuchtungsstärken und langen Betriebszeiten. Und bei einem Lagerhaus kann die Beleuchtung bis zu 80 Prozent der Energiekosten ausmachen, weshalb sie so effizient wie möglich sein sollte. Lichtplanung in einem möglichst frühen Stadium eines Projekts ist deshalb entscheidend.

Eine gezielte Sanierung einer bestehenden Beleuchtungslösung kann durchschnittliche Energieeinsparungen von 67 Prozent bringen, weiss Lichtplaner Stefan Bormann von der Schweizer Licht Gesellschaft SLG. Auch bereits modernisierte Lichtinstallationen hätten oft Verbesserungspotenzial, indem regelbare Leuchten eingesetzt, Nachlaufzeiten reduziert und Sensoren nachgerüstet werden. Moderne Lichtmanagementsysteme maximieren den Lichtkomfort und minimieren die Energiekosten.

Unverzichtbare Strassenbeleuchtung
Als Fahrbahnbeleuchtung dient die Strassenbeleuchtung dazu, die Sichtverhältnisse zu verbessern und die Sicherheit zu erhöhen. Eingesetzt werden Strassenbeleuchtungen deshalb vor allem dort, wo Fussgänger und der motorisierte Verkehr häufig miteinander in Kontakt kommen. Entgegengewirkt wird auch dem Umstand, dass nicht zuletzt in den Wintermonaten oft dunkel gekleidete Fussgänger spät erkannt werden. Die Strassenbeleuchtung ist im kommunalen Verkehr für Fahrrad- und Motorfahrradfahrer ebenso wichtig wie für Unterhalts-, Entsorgungs- oder Zustelldienste. Sie hat zudem einen positiven Einfluss auf die Kriminalprävention. Oberstes Ziel ist jedoch, Verkehrsteilnehmer möglichst frühzeitig zu erkennen und deren Schutz zu gewährleisten.

Intelligente Lichttechnik und Sensorik
Eine bedarfsabhängige Lichttechnik sorgt dafür, dass mehr Tageslicht genutzt und das Licht bei Abwesenheit ausgeschaltet wird. Eine anwesenheits- und situationsgerechte Beleuchtung bedeutet mehr Komfort bei geringerem Stromverbrauch. Als Praxisbeispiel dient die Strassenbeleuchtung der Gemeinde Schluein.
Bestehende Quecksilberdampfleuchten wurden durch LED-Technik ersetzt. Die insgesamt 134 Strassenlampen dienen der Beleuchtung von Haupt- und Quartierstrassen. Der Katalog der Kundenanforderungen liest sich wie folgt: LED-Beleuchtung auf dem neuesten Stand der Technik, wartungsfrei sowie Lösung mit weniger Streulicht. All diese Ziele konnten erreicht werden und die Bevölkerung akzeptiert und schätzt die neue intelligente Beleuchtung, da sie weniger Licht streut und nach dem Prinzip «Licht nach Bedarf» funktioniert. Beim alten Beleuchtungskonzept produzierten zahlreiche Pilz-Leuchten Streulicht. Dieses konnte dank der LED-Technik, die das Licht gerichtet abstrahlt, stark reduziert werden.
Mit programmierbaren Dimmprofilen lassen sich zudem unterschiedliche Vorgaben für jeden Strassentyp wie Haupt- und Quartierstrassen oder Plätze gezielt umsetzen. Ein weiterer Vorteil des gedimmten Lichts besteht darin, dass sich die Lichtverschmutzung merklich verringert. Die erreichte Energieeinsparung ist beachtlich. Alles in allem resultiert ein Minderverbrauch von über 80 Prozent, denn der Energiebedarf liess sich von rund 51 190 kWh auf 11 940 kWh senken.

Licht-Stromverbrauch halbieren
Im Rahmen des Europäischen Lichtkongresses 2018 in Davos setzten sich zwölf Organisationen, Verbände und Unternehmen der Lichtbranche konkrete Ziele. Mit der Licht-Vereinbarung von Davos streben die Partner an, den Licht-Stromverbrauch bis 2050 zu halbieren. Erreichen will man dies durch neue Technologien, intelligente Lichtplanung, moderne Steuerungen, gezielte Information und Weiterbildung. Ziel der von der Schweizer Licht Gesellschaft SLG lancierten und vom Bundesamt für Energie BFE unterstützten Initiative ist es, einen wesentlichen Beitrag zur Umsetzung der Energiestrategie zu leisten. Mit dem Abkommen vom 11. September 2018 verpflichten sich die Unterzeichnenden, den Anteil der Beleuchtung am Gesamtelektrizitätsverbrauch der Schweiz von heute 7 TWh oder zwölf Prozent auf sechs Prozent zu halbieren.

Sensoren und Standby-Betrieb
Die Einsparung von 3,5 TWh gemäss Licht-Vereinbarung von Davos entspricht etwa der Jahresproduktion des Kernkraftwerkes Beznau 2 und soll ohne Komforteinbussen für die Konsumenten realisierbar sein. Ein verstärkter Einsatz von Sensorik bringt gemäss Stefan Gasser, Berater für Stromeffizienz und Beleuchtung bei der Schweizerischen Agentur für Energieeffizienz S.A.F.E., eine Einsparung von etwa 1,5 TWh/a. Demgegenüber beziffert er den Standby-Verbrauch in einer groben Schätzung auf zirka 5 Prozent dieses Werts. Umgerechnet auf die eingesparten 3,5 TWh/a wären dies rund 2 Prozent.
Die Hersteller arbeiten daran, den Standby-Verbrauch weiter zu senken. Neben der Verbesserung der Elektronik kann dies auch durch temporäres Abschalten von Beleuchtungsregelungen geschehen. Die Sensorik sollte so oder so in den frühen Phasen der Lichtplanung berücksichtigt werden und für jede Beleuchtungsaufgabe gilt es, das Spannungsdreieck Ökologie, Ökonomie und Ergonomie auszuloten.

Über den Autor

Remo Auer

Remo Auer

Remo Auer arbeitet seit 2007 bei der Repower. Er ist seit 2018 Technischer Spezialist bei der Netzplanung und Fachverantwortlicher für öffentliche Beleuchtung. Als ehemaliger Leiter Bau / Instandhaltung Gebäudetechnik / Elektro- sowie Telemechanik und als langjähriger Kundenbetreuer bringt er ein allumfassendes Know-how in seine jetzige Position mit.

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